Von Santiago nach Bayamo

Oct 8, 2014 • travelcuba 2014

Nach insgesamt drei Naechten in Siboney, fahren wir mit dem Uso Particular zurueck nach Santiago de Cuba. Weil Busse in Kuba knapp und unzuverlaessig sind, wurden alte LKWs kurzerhand zu Personentransportern umgebaut. Meist wurden 4 lange Holzbaenke installiert. Nun spannt man noch eine Plane ueber den Truck und denkt sich einen passenden Namen, wie “El Durado” aus und schon hat man einen Behelfsbus in dem etwa 60 Personen Platz finden.

Uso Particular

Mit El Durado, einem Uso Particular, fahren wir zurueck nach Santiago de Cuba.

Von Santiago aus geht es auf die gleiche Weise bis in den kleinen Ort Chivirico, etwa 60km westlich. Hier neigt sich der Tag schon dem Ende und wir suchen uns noch ein kleines Zimmer und geniessen an der Strandbar ein kleines Abendbrot und ein Bier – natuerlich nur Flo. Dank unseres neuen kanadischen Freundes wird aus dem einem Bier allerdings gleich drei.

Die Bucht von Chivirico

Beim Abendessen blicken wir auf die Bucht von Chivirico.

Der Kuestenstreifen zwischen Chivirico und Marea del Portillo soll der schoenste der ganzen Insel sein und so heisst es fuer uns der Weg ist das Ziel. Am naechsten Tag fahren wir zunaechst mit dem Bus ueber abenteuerliche Strassen – nennen wir sie besser Feldwege. Trotzdem sind wir guter Dinge und freuen uns eine Weile ueber die gute Aussicht auch wenn wir ein paar Mal Angst haben, dass der Bus umkippt und mit uns im Meer verschwindet.

Kuba waere aber nicht Kuba, wenn alles Glatt laufen wuerde und so muessen wir auch diesmal improvisieren. In einem kleinen Ort, etwa 40km vor Marea del Portillo haelt der Bus ploetzlich an und alle steigen aus. Endstation. Und jetzt?

Steilkueste in Kubas Sueden

Die Steilkueste in Kubas Sueden ist die schoenste der Insel.

Etwa eine Stunde warten wir mit ein paar Kubanern, ob ein weiterer Bus kommt. Zwei der Wartenden werden von einem Lada per Anhalter mitgenommen. Weitere Autos, Busse oder LKWs kommen nicht vorbei. Eine Familie verliert noch vor uns die Geduld und macht sich zu Fuss auf den Weg. 40km sind zu weit zu laufen, noch dazu mit Rucksaecken. Trotzdem verlieren auch wir nach einer guten Stunde die Geduld und entscheiden uns ein Stueck zu laufen.

Wir sind noch keinen Kilometer weit gelaufen, da hoeren wir hinter uns deutlich ein Motorengeraeusch. Ein mit Holz beladener LKW quaelt sich hinter uns den Berg hoch. Ich halte den Daumen raus, kurz hoffen, das Motorengeraeusch wird leiser und der Fahrer haelt seinen LKW an. Ein kleiner Junge muss vom Beifahrersitz auf die Ladeflaeche, wo schon ein paar aeltere Jungs sitzen. “De donde van?”, “Wo wollt ihr hin?”, fragt der Fahrer. “Marea del Portillo.” – “Ahh, Marea.” Wir steigen ein.

Zwischen La Plata und Marea del Portillo

Zwischen La Plata und Marea del Portillo, im Sueden Kubas.

In Marea del Portillo verbringen wir ein paar Tage am Strand, bevor es per Anhalter und auf Trucks weiter bis Bayamo geht. Auch wenn wir in Bayamo nur eine Nacht verbringen, ueberrascht uns die Stadt. Bayamo ist nicht so verfallen, wie Havana und Santiago, hier gibt es einige schoene Haeuser und es ist auch nicht so laut, wie in den beiden anderen Staedten.

Der Strand in Marea del Portillo

Der Strand in Marea del Portillo, hier lassen wir es uns ein paar Tage gut gehen.

Playa Siboney

Oct 7, 2014 • travelcuba 2014

Auf leeren Strassen faehrt der Bus der Stadtgrenze von Havana entgegen. Wir reisen weiter – endlich. Drei Naechte in Havana waren dann doch ein bisschen lang. Unsere Reise fuehrt uns nun nach Santiago de Cuba, einmal quer durch das Land. 16 Stunden dauert die Fahrt, nur die ersten 3 davon gibt es eine Autobahn, danach fahren wir meist auf Landstrassen. Die Autobahn ist mit vier Spuren pro Richtung mehr als ueppig ausgestattet, wir ueberholen nur alle paar Minuten mal ein Auto. In der Gegenrichtung herrscht aehnlich dichter Verkehr.

Puenktlich um 07.15 Uhr erreichen wir Santiago und koennen uns endlich mal wieder etwas laenger die Beine vertreten. An den obligatorischen Taxifahrern am Ausgang geht es vorbei, auf der Suche nach der naechsten Bushaltestelle. Unser genaues Ziel heisst Playa Siboney, ein paar Kilometer oestlich von Santiago. Die Bushaltestelle ist schnell gefunden, nun heisst es warten – wie so oft in diesem Land.

Eine gute Stunde spaeter sagt eine Frau zu den anderen an der Haltestelle wartenden, dass es hier keinen Bus mehr gibt, die Wegbeschreibung zur naechsten Haltestelle gibt mein Spanisch dann doch nicht mehr her und eigentlich sind wir des Wartens auch muede. Also verhandle ich mit einem Kubaner den Preis fuer ein Taxi und keine 10 Minuten spaeter steigen wir in einen knallroten ‘30er Jahre Ford. Abgesehen von der Farbe koennte das Auto direkt aus einem Mafia-Film kommen.

Playa Siboney

Playa Siboney, ein kleiner Badeort, oestlich von Santiago de Cuba.

Siboney ist ein Dorf am Strand, es gibt hier nicht viel zu tun, ausser am Strand die Sonne und das warme, karibische Wasser zu geniessen. Eigentlich wollen wir hier auch nur eine Nacht verbringen und dann ein paar Kilometer nach Osten weiter wandern. Doch es sollte anders kommen.

Der naechste Tag beginnt bewoelkt, perfekt um ein paar Kilometer nach Osten zu wandern. Wir bekommen noch ein ordentliches Fruehstueck in unserer Casa Particular – ein privat vermietetes Zimmer – und machen uns dann auf den Weg.

Ein Geier begleitet einen Teil unseres Weges, durch Gaerten, voller Bananenstauden und Baeume, die Mangobaeume sein koennten. In einer der Pausen wird eine Herde Ziegen ueber die Strasse getrieben und so vergehen die 8km recht schnell.

Gegen Mittag erreichen wir Villa La Punta, unser Ziel. Im Hotel heisst es allerdings man koennte uns erst um 16.00 ein Zimmer vermieten und so heisst es wieder einmal warten. Wir ueberlegen zwar uns noch woanders umzusehen, allerdings gibt es in unmittelbarer Naehe nicht viel; um nicht zu sagen nichts. Also verbringen wir ein wenig Zeit im nationalen Verkehrsmuseum, gleich um die Ecke. Die Sammlung von etwa 30 mehr oder weniger alten Autos bietet allerdings maximal eine halbe Stunde Unterhaltung.

Auch die Echsen geniessen den Schatten

Eine schattige Pause am Bordsteinrand.

An einem schattigen Plaetzchen lassen wir die restlichen Stunden vergehen, ein paar Echsen leisten uns dabei Gesellschaft. Kurz vor vier, begeben wir uns also endlich zum Hotel, einen Sprung in den Pool schon vor Augen. An der Rezeption laesst man mich eine Weile warten, bevor mir die einzige englisch sprechende Angestellte eroeffnet, dass nun alle Zimmer vermietet waeren. Sie sagt noch etwas von einer grossen Gruppe und ihre Entschuldigung geht in der betont sachte zufallenden Tuer unter.

Etwas entnervt fassen wir einen neuen Plan. Wir fahren zurueck nach Siboney und hoffen, dass das Zimmer von gestern noch frei ist. Unterwegs wollen wir aber noch das Valle de la Prehistoria anschauen.

Im Valle de la Prehistoria gibt es eine Sammlung lebensgrosser Statuen aus Beton von Dinosauriern und anderen Urzeitwesen, wie z.B. Menschen.

T-Rex im Valle de la Prehistoria

Dieser T-Rex ist eigentlich ganz zahm...

Die drueckende Sonne und unsere Rucksaecke machen die Runde zwar anstrengend, aber trotzdem sind die Figuren ganz nett und wir haben unseren Spass. Nachdem wir das Mamut erlegt haben, ist sogar fuer Abendessen gesorgt.

Mamutjagd

Flo auf Mamutjagd im Valle de la Prehistoria

Auf dem Rueckweg nach Siboney haben wir noch einmal Glueck, ein Kutscher haelt fuer uns an und bietet uns an ein Stueck mitzunehmen. So sparen wir uns immerhin ein gutes Drittel des Weges. Als wir wieder in Siboney ankommen ist es bereits Abend, noch ein kurzer Augenblick des Bangens: Ist das Zimmer noch frei? Schon auf der Strasse werden wir erkannt und nach einer kurzen Erklaerung stehen wir wieder im Zimmer und bekommen ein Abendbrot angeboten. Und so bleiben wir also noch zwei Naechte in Siboney.

Havana

Oct 6, 2014 • travelcuba 2014

Die Sonne senkt sich bereits langsam, als unser Flugzeug in Havana auf der Landebahn aufsezt. Wir sind mit einer Charter-Airline unterwegs und so bricht das ganze Flugzeug in Applaus aus, als wir landen. Es folgt unser erstes zusammentreffen mit dem real existierenden Sozialismus seit wir denken koennen. Eine lange, sehr lange Schlange an der Einreise. Entsprechend langes warten und ein Foto spaeter sind wir nun auch offiziel in Kuba. Zur Belohnung duerfen wir uns an der naechsten Schlange anstellen. Unser Handgepaeck wird nun nochmal durchleuchtet und dann duerfen wir endlich unser Gepaeck entgegen nehmen und den Zoll passieren.

Havana von oben

Aus der Luft ist Havana - in der Abendsonne - schoen anzusehen

“Taxi, Taxi?” Gefuehlt 5.000 Taxifahrer wuerden uns – und die anderen Neuankoemmlinge – gerne in die Stadt fahren. Wir wuerden ja auch gerne in die Stadt, leider haben wir ausser ein paar nutzlosen Euros ueberhaupt kein Geld bei uns. Kubanisches Geld war am Flughafen in Frankfurt nicht zu bekommen und so muessen wir jetzt erstmal eine Wechselstube suchen. Wahrscheinlich ging es den anderen Passagieren auch so und ihr duerft nun raten was uns an der Wechselstube erwartet. Eine weitere lange Schlange.

Als wir endlich in das Taxi in die Stadt steigen ist es lange dunkel in Havana und so ist erstmal nichts aufregendes zu sehen. Eine grosse Ausfallstrasse, Ampeln mit Zeitanzeige und ein paar Betonbauten um uns herum. Auffaellig sind die vielen Ladas und natuerlich die ‘50er Jahre US-Strassenkreuzer die hier noch in grosser Zahl herum fahren.

Der Plaza de la Revolucion in Havana

Der Plaza de la Revolucion in Havana, im Hintergrund das Innenministerium

Der erste volle Tag in Havana beginnt am Plaza de la Revolucion, hier finden jedes Jahr am 01. Mai grosse Reden statt. Frueher noch von Fidel Castro persoenlich. Im Anschluss geht es an der Universitaet vorbei in Richtung Malecon. Auf dem Weg macht sich eine Erkenntnis breit: Havana ist eine heruntergekommene Stadt. Alte koloniale Villen und neuere Betonbauten verroten hier gleichermassen.

Wir gehen weiter, vorbei am Havana Libre, das vor der Revolution noch das Havana Hilton war, zum Malecon. Der Malecon ist Havanas grosse Strandpromenade und wohl einer der ruhigeren Orte in der Stadt. Leider haengen hier auch ziemlich viele Hustler rum, die Touristen mehr oder weniger zu Spenden noetigen. Noch etwas uebermuedet und nicht an Waerme und Laerm gewoehnt fallen auch wir darauf herein.

Dieses Erlebnis traegt natuerlich nicht gerade positiv zu unserer Laune bei und schlaegt sich bei mir ganz besonders in Fotos von verfallenen Kolonialgebaeuden nieder.

Verfallene Villen am Malecon

Ueberall in Havana findet man verfallene alte Kolonialvillen, wie diese am Malecon

Durch La Habana Vieja geht es nun weiter zum Bahnhof, doch ueberall ist deutlich sichtbar, dass die Stadt schon bessere Zeiten gesehen hat. Das einzige, was in der Stadt wirklich gepflegt wird, so scheint es, sind die US-Oldtimer.

Gut gepflegte, alte US-Strassenkreuzer

Havana ist wie ein Museum fuer diese alten US-Strassenkreuzer.

Dublin on foot

Sep 19, 2013 • fly.floh • travel

Unser Flugzeug startet pünktlich am hochmodernen Flughafen in Berlin Schönefeld. Der Flug nach Dublin ist schon nach knapp zwei Stunden überstanden und wir eilen zur Bushaltestelle. Schnell durch die Passkontrolle, Gepäck haben wir nicht mit. Eine Brücke führt über die Zufahrtsstraße und schon kommen die Busse in Sicht. Wir haben noch gut 5 Minuten. Geschafft. :-)
Der Busfahrer ist noch sehr erfreut, dass ich ihn mit meinen blöden Fragen von seiner Zeitung trenne. Was fällt mir auch ein einfach eine Fahrkarte kaufen zu wollen. Immerhin zeigt er auf den Automaten.

Die Hostelbar hat ein leckeres IPA (O'Haras) und so wird die Nacht recht kurz. Ein kurzer Spaziergang durch Dublin wird zur Beschäftigung für den nächsten Tag. Frühstück im Park und viel Verkehrslärm sind die ersten Eindrücke von Dublin bei Tag.

Das Wellington Monument im Phoenix-Park

Das Wellington Monument im Phoenix-Park

Nach dem Frühstück geht es über den Fluss und am Guinness Storehouse vorbei. Am Storehouse liegt der Geruch von frischem Malz in der Luft, die 13,50€ Eintritt sind uns aber doch zu viel für einen Besuch in der Brauerei. Also weiter zum mittelalterlichen Teil der Stadt. Wer jetzt aber alte Gebäude erwartet hätte wird enttäuscht. Abgesehen von der Stadtmauer sieht es aus wie überall sonst.

Mittelalterliches Viertel

Das mittelalterliche Viertel in Dublin

Leider offenbart die Stadtmauer auch ein kleines Drogenproblem und so ziehen wir schnell weiter zum Schloss und zur St. Patrick's Kathedrale, bevor es im nächsten Park Mittag gibt. Parks und Kirchen gibt es hier wahrlich zu Hauf.

Schloss

Dublins Schloss

Ermüdet vom kurzen Spaziergang schlendern wir zum Ausklang noch ein wenig über die Shopping Meile, kaufen noch ein Guinness und erholen uns vor dem Hostel in der Sonne. Nur das Bier könnte besser sein...

River Liffey

Der Liffey fliesst durch die Innenstadt

Vegas

Sep 16, 2012 • fly.floh • usa 2012

Es ist sechs Jahre her, dass ich zum ersten Mal in Las Vegas war. Damals hatte ich diesen schoenen Seifenblasen-Effekt, als ich es gewagt habe mal an eine der “Marmor”-Saeulen im Mirage zu klopfen. Diesmal war ich also vorbereitet und recht gespannt darauf, wie ich Vegas jetzt erleben wuerde.

Die Fahrt von Yosemite dauert fast den ganzen Tag und fuehrt durch die Wueste im Osten Kaliforniens und Nevadas. Mit einigen Pausen in Orten, die allesamt schon bessere Zeiten gesehen hatten sehen wir die ersten Haeuser von Vegas am spaeten Nachmittag. Gerade als wir auf den Interstate 15 wechseln vernehmen wir ein komisches Geraeusch von draussen. Wind? Nein, viel zu laut und bestaendig. Ausserdem ist in den Baeumen gar kein Wind zu sehen. Sicherheitshalber verlassen wir den Freeway und schauen mal nach. Ein Blick unter die Stossstange und wir stellen fest, dass der Unterboden auf der Strasse schleift. Viel ist da nicht zu machen. Also ein zweiter Anruf bei Roadside.

Natuerlich haben die bei Alamo es noch nicht geschafft mal unser “neues” Auto in’s System zu uebernehmen und so ist der Anruf nicht hilfreich. Drei Stunden soll es dauern, das Auto zu aktualisieren. Zu lange. Notduerftig klemmen wir den Unterboden an der Stossstange fest und machen uns gaaaanz langsam auf den Weg zum Hotel.

Am naechsten Morgen rufe ich nochmal bei Roadside an. Dort wissen sie immernoch nix von unserem neuen Auto, wir werden aber zum Flughafen geschickt, das Auto zu tauschen. Immerhin. Bis auf ein paar kurze Diskussionen und Erklaerungen ist der Tausch am Flughafen problemlos und etwa eine Stunde nachdem wir den Alten dort abgegeben haben fahren wir mit einem weissen Toyota aus dem Parkhaus. Mal sehen, ob das asiatische Auto laenger haelt, als ein Europaeisches oder ein Amerikanisches.

Da der Strip tagsueber eher langweilig ist und wir sowieso noch haufenweise neue Klamotten brauchen halten wir an der Mall, direkt neben dem Flughafen, an. Die Details von 2h shoppen spare ich mir jetzt mal, als wir die Mall aber verlassen wollen regnet es in Stroemen. Soviel zum Thema Wueste.

Der Regen ist gar nicht das Problem, wir sind ja nicht aus Zucker. Der halbe Meter Wasser auf dem Parkplatz ist da schon schlimmer. Die Autotueren jetzt oeffnen waere der Tod von mindestens Kamera und Laptop, die sind naemlich unten im Rucksack. Nicht besonders clever, aber wer rechnet schon mit sowas? Also bleibt uns hoffen, bangen und weiter shoppen. Eine weitere Stunde spaeter steht das Wasser unterhalb der Autotueren und wir koennen das Elend genauer ansehen. Der Rucksack mit der Kamera stand zwar im Wasser, aber wasserdichter Rucksack und wasserdichte Kameratasche haben Selbige trocken bleiben lasssen. Der Rucksack mit dem Laptop ist sogar von aussen trocken geblieben.

Am Abend trauen wir uns dann auf den Las Vegas Strip. Den Teil des Las Vegas Boulevard auf dem die grossen Hotels und Casinos stehen. Ein neues Hotel mit Luxus-Mall ist dazu gekommen, sonst hat sich seit 2006 nicht viel veraendert. Menschen denen man normalerweise nicht im dunkeln begegnen wollen, verteilen immernoch die Nummern von “Stripperinnen”, es blinkt ueberall und Obdachlose betteln auf den Bruecken um ein paar Cent zum ueberleben. Dazwischen singen auch hin und wieder Strassenmusiker ihre Lieder. In den Casinos hoffen gebrochene Gestalten auf den schnellen Dollar. Dazwischen Einkaufsmeilen mit Juwelieren und Eisstaenden, an denen die Kugel Eis 6$ kostet.

Auf der Strasse geht es laut und blinkend zu. Ein LKW faehrt Kreise und macht Werbung fuer Eskorten. Mickey Mouse sitzt am Strassenrand und macht Fotos für Trinkgeld. Wer Mickey Mouse zu kitschig findet kann das Foto auch mit Frankenstein machen.

Vegas ist mir auch heute noch unsympatisch, die schreiende, soziale Ungerechtigkeit, die schier unbeschreibliche Umweltzerstörung und die langsam bröckelnde Fassade verderben mir nach wie vor den Spaß an der Stadt, auch wenn die voellig uebertriebenen Shows und die Attraktionen an jedem grossen Hotel natuerlich ihren Reiz haben.

Yosemite, again

Sep 13, 2012 • fly.floh • usa 2012

Eigentlich wollten wir San Rafael ja am Morgen mit unserem blauen Jetta verlassen, aber daraus sollte nichts werden. Als wir vom Zeltplatz zu unserem Auto zurueck kehren ist der hintere, rechte Reifen endgueltig platt. Also ruft Flo bei Roadside an, waehrend Laura und Maria mit Hilfe des Campground Host den Ersatzreifen aufziehen. Da der Jetta aber nur ein VW ist, ist der Ersatzreifen nur ein Notrad. Mehr als 50 Meilen pro Stunde (80km/h) sind damit nicht drin.

Wir tauschen das Auto, also gegen ein Neues - es sollte nicht der letzte Tausch sein - und machen uns gegen Mittag endlich auf den Weg nach Yosemite. Mit ein paar Pausen zum Einkaufen und Klamotten shoppen, kommen wir Abends in Tulomne Meadows an und sehen das Auto der Anderen noch unter einem Felsen stehen.

Ein Blick nach oben und wir sehen sie dort rumkraxeln.

Am naechsten Tag muss erstmal eine drei Jahre alte Route fertiggestellt werden. Waehrend die Maedels eine lange Wanderung zum Elizabeth Lake machen heisst unser Ziel Cryin’ Time again, eine 5.10a am Lembert Dome. Bei schoensten Sonnenschein geht es gegen halb 8 am Zeltplatz los. Wir sind die ersten in der Route und bis auf ein paar Seilfitze geht alles fluessig. Die Reibungen sind jetzt auch schon viel angenehmer als noch ein paar Tage zuvor.

Gegen Mittag erreichen wir den Gipfel und die ersten Sonnenstrahlen. Wir geniessen noch ein wenig die Aussicht ueber Tulomne Meadows auf den Cathedral Peak und machen uns dann an den Abstieg.

Am Nachmittag geht es dann zu einem wohlverdienten Bad in den heissen Quellen von Mammoth Hot Springs.  Vulkanische Aktivitaet vor 70000 Jahren hat hier dafuer gesorgt, dass kochendes Wasser aus der Erde kommt und sich im Fluss mit kaltem Wasser mischt. An ein paar Stellen haben Einheimische dann Pools gebaut, in denen man heute gemuetlich Baden kann.

An unserem letzten Tag im Park klettern wir nochmal auf den Cathedral Peak. Wunderschoene Knopfwand-Genusskletterei fuehrt ueber 5 Seillaengen auf den ueber 3000m hohen Gipfel. Die Aussicht hier oben ist echt sehenswert und der benachbarte Budd Lake sorgt danach fuer eine erfrischende Abkuehlung, bevor es Abends ordentliche Burger gibt.

Spaziergang in San Francisco

Sep 12, 2012 • fly.floh • usa 2012

Der Tag beginnt mit einem Fruehstueck in der Sonne. Die Wolken scheinen sich endgueltig verzogen zu haben, perfektes Wetter um es mal ruhig angehen zu lassen. 1$ in der Dusche auf dem Zeltplatz bringt uns 10 Minuten warmes Wasser und 5$ bei Starbuck’s bringen uns einen Kaffee und eine heisse Schokolade. Dank kostenlosem WLAN koennen wir dem Flieger von Flos Schwester beim landen zusehen und nebenbei ein bisschen was schreiben.

Als der Flieger gelandet ist, machen wir uns auf den Weg. Zurueck ueber die Golden Gate Bridge, einmal quer durch San Francisco und eine halbe Stunde spaeter sind wir am Flughafen. Im Verkehrschaos an der Ankunft drehen wir noch 5 Runden und dann hat Laura es auch durch die Einreise geschafft.

Zu dritt beschliessen wir eine Runde durch San Francisco zu spazieren. Von unserem kostenlosen Parkplatz aus, sind es 3 oder 4 Blocks bis zur Market Street, San Franciscos Hauptstrasse. Diese geht es entlang, bis zum Ferry Terminal, direkt in der Bucht. Von hier aus hat man einen guten Blick auf die Bay Bridge, die aeltere der bekannten Haengebruecken San Franciscos.

An den Piers entlang geht es nun zum Fisherman’s Wharf. Alle paar Meter werden wir gefragt, ob wir nicht ein Velo-Taxi nehmen wollen und Flo fuehlt sich stark an Vietnam erinnert - “Heellooooooo Motorbike?” Wir aber bleiben hart - und geizig - und laufen die komplette Strecke.

Am Fishermen’s Wharf angekommen gibt es eine kleine Ueberraschung. Hier hat sich eine Horde Seeloewen angesiedelt, die durch Essensreste der oertlichen Restaurants angezogen wurde.

Wer genug von den doch zumeist eher faulen Seeloewen hat kann den Kopf nach rechts wenden und sieht Alcatraz, das beruechtigte, ehemalige Hochsicherheitsgefaengnis in der Bucht liegen.

Wir shoppen noch ein bisschen nach Souveniers - das hat man davon, wenn man mit Frauen herumreist ;) - und machen uns dann auf den Rueckweg.

Diesmal geht es durch China Town, wo sich die grosse Mehrheit der chinesischen Einwanderer angesiedelt hat. In der Folge gibt es nicht nur an jeder Ecke chinesische Spezialitaeten und Restaurants, sondern auch Strassenschilder mit chinesischen Schriftzeichen und taeuschend echte Geruchskulisse. Die Fusswege scheinen auch ein klein wenig voller, als im Rest der Stadt.

Unser kleiner Spaziergang neigt sich so langsam dem Ende, als wir doch noch eine der Hauptattraktionen der Stadt entdecken. Die Cable Cars fahren seit 1873 durch San Francisco und in letzter Zeit werden es sogar wieder mehr.

Als Tagesausklang werfen wir noch ein Lachssteak und eine Horde Maiskolben auf den Grill. Morgen geht es dann wieder zurueck nach Yosemite.

Kuestennebel

Sep 12, 2012 • fly.floh • usa 2012

Da Maria ja ein bisschen was vom Land sehen will und wir ausserdem noch meine Schwester in San Francisco abholen mussten, kehren wir Yosemite nach nur drei Naechten schon wieder den Ruecken und machen uns auf den Weg an die Pazifikkueste. Beim Tanken haben wir sogar den Reifen vom Auto nochmal aufgepumpt, war auch bitter noetig. Die Fahrt zur Kueste dauert einen ganzen Tag es geht durch Avocado und Weinfelder und durch kleine Staedte. Erst gegen Abend sehen wir das erste bisschen Wasser.

Die Nacht verbringen wir auf einem kleinen Zeltplatz direkt an der Kueste, als wir am naechsten Morgen aufstehen ist es neblig und kuehl. Viel ist von der kalifornischen Steilkueste also nicht zu sehen und Badewetter ist das auch nicht so recht. Hin und wieder bricht der Nebel aber auf und es ergeben sich tolle Blicke auf das Meer.

Neben kleinen Staedten wie Carmel-by-the-sea gibt es auch auf der engen, kurvigen Kuestenstrasse viele Moeglichkeiten anzuhalten und die Aussicht zu geniessen und so schlaengeln wir uns langsam und mit vielen Pausen nach Norden. An einem Parkplatz wimmelt es - wie eigentlich ueberall - von Squirrels, die sich als ziemlich fotogen erweisen.

Ein paar Orte hat Flo dann sogar von vor 6 Jahren wieder erkannt, auch wenn die Treppe diesmal in noch besserer Verfassung war.

Kurz vor Carmel trauen wir uns dann doch noch in den etwa 2° kalten Pazifik und als wir uns ueber die Huegel in Richtung San Francisco schlaengeln wird auch langsam das Wetter besser. Gegen Abend fahren wir dann mal wieder ueber die Golden Gate Bridge um zu unserem Zeltplatz in San Rafael zu kommen.

Auf der Bruecke meldet sich dann auch unser Reifen mal wieder. Da scheint dann wohl doch was nicht ganz in Ordnung zu sein. Als wir dann am Zeltplatz ankommen, geht nach einem langen Tag die Sonne unter.

Entdeckungstour im Yosemite

Sep 7, 2012 • fly.floh • usa 2012

Nach dem anstrengenden Klettertag brauchen wir erstmal eine kurze Pause, ausserdem wollen wir ja noch die Highlights des Nationalparks sehen. Die kleine Lampe im Auto, die anzeigt, dass der Reifendruck nachlaesst ignorieren wir erstmal und machen uns auf den Weg zum 2000m hohen Glacier Point. Wenn wir frueh da sind, so hoffen wir, sind wir vor den Massen da. Es ist Labour Day Weekend in Amerika, einer der grossen Feiertage, die viele Amerikaner dazu nutzen, mal aus den Staedten raus zu kommen.

Am Glacier Point ist es kurz nach 10 tatsaechlich noch verhaeltnismaessig leer und so geniesst sich die Aussicht ganz gut. Nach kurzer Pause geht es weiter zur Mariposa Grove, eine der 75 Stellen, an denen ausgewachsene Sequoias stehen. Sequoias sind eine Art von Mammutbaeumen und diejenigen, die um die 1000 Jahre auf dem Buckel haben stehen majestaetisch und riesig im Wald.

In der Vergangenheit wurden die Baeume oft wegen ihres Holzes gefaellt, oder es wurden Durchgaenge fuer Touristen hinein gesaegt. Heute sind die Baeume geschuetzt. Tatsaechlich haben die Sequoias eine grosse Rolle in der Gruendung der Nationalparks hier gespielt.

Zum Schluss schauen wir nochmal im Tal vorbei, bevor wir nach einem langen Tag in Tulomne Meadows die Anderen wieder treffen und gleich 2 grosse Rindersteaks verputzen. Der Wein schmeckt dazu besonders gut. :)

Im Urlaub angekommen

Sep 6, 2012 • fly.floh • usa 2012

Unser erster Tag in San Fransisco ist ein kalter, wolkiger Tag. So wie die meisten Tage in der Stadt. Wegen des Jetlags sind wir schon gegen 6 Uhr wach - in Deutschland immerhin 15 Uhr - und schauen uns das Fruehstueck im Motel an. Es gibt eine Waffelmaschine und duennen Kaffee, der Kakao schmeckt nach Chemie. Nach dem Fruehstueck kaufen wir noch letzte Verpflegung - Wein fuer 2$ die Flasche bei Trader Joe’s und Campingausruestung. Dann machen wir uns ueber die Golden Gate Bridge auf den Weg nach Yosemite. Maria und ich kommen ja nach dem Wochenende schon zurueck und haben dann noch ein wenig Zeit die Stadt zu erkunden.

Als wir die unmittelbare Naehe der Stadt verlassen, lichten sich die Wolken und es wird nach und nach waermer. Als wir in Tracy am Supermarkt anhalten ist es bereits ueber 30 Grad heiss.

Kurz vor dem Nationalpark biegen wir von der Hauptstrasse zu unseren Zeltplatz ab. Wir sind eine ganze Weile bergauf gefahren und jetzt etwa 1500m hoch. Die erste Etappe ist geschafft.

Eine kurze Nacht Schlaf und ein ausgiebiges Fruehstueck spaeter fahren wir zum ersten Mal in den Park. Am Eingang von Yosemite Valley, das Tal, das sich von El Capitan ueber den Halfdome bis nach Tulomne Meadows zieht, geht es an steilen, glatten Felswaenden klettern. Maria meistert ihren ersten Riss mit bravour, waehrend ich mich mehr rutschend als kletternd ueber zwei Reibungen quaele.

Als alle Wege abgeklettert sind geht es auf ein Bier und ein Eis zum baden im Fluss. Wunderbare Abkuehlung bei ueber 30 Grad.

Mit UFOs nach San Fransisco

Sep 4, 2012 • fly.floh • usa 2012

Die Flugbegleiter hatten gestern ihren ersten Streiktag. Wir sind trotzdem zum Flughafen gefahren und hatten Glück: Nur sechs Stunden Verspätung.

Nochmal 12 Stunden später landen wir sicher in San Fransisco. Jetzt noch schnell die intensive Fragestunde bei der Einreise absolvieren, Maria und ich gehen illegalerweise zusammen durch die Schlange, und schon sind wir in Amerika.

In Anbetracht der Uhrzeit, inzwischen ist es hier 18 Uhr und zuhause 3 Uhr, fahren wir nicht mehr nach Yosemite sondern bleiben in einem Motel in der Nähe und gönnen uns noch ein Stückchen Kuh zum Abendbrot.

Inzwischen sind wir in Yosemite angekommen, waren gestern eine Runde klettern und haben heute den Park erkundet. Fotos vom Tal und großen Mammutbäumen gibt es mal, wenn wir mehr als das Tablet dabei haben.

Central America by Photo

Nov 20, 2011 • fly.floh • central america 2011

So langsam sind alle Urlaubsbilder entwickelt, begradigt und die ganz Schlimmen aussortiert. Die tollen, und die zu denen man spannende Geschichten erzaehlen kann, gibt es am Donnerstag zu sehen.

San Juan del Sur

Das Count Down macht um 20 Uhr seine Tueren auf, anfangen werde ich wohl so gegen 20.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, aber es hat natuerlich niemand was dagegen, wenn ihr das eine oder andere Bierchen, oder - stilecht - den einen oder anderen Nica Libre konsumiert.

Chicken Buses in Nicaragua

Waiting on the World to change

Oct 21, 2011 • fly.floh • fotoscentral america 2011

Stadt der Gringos

Oct 10, 2011 • fly.floh • central america 2011

'It's basically a shithole, don't go there!', sagt Jake ueber San Jose. Jake ist Amerikaner, aus Denver, und wie viele Amerikaner, die ich hier treffe hat er eine sehr habwuerdigende Haltung gegenueber Lateinamerika.

Avenida Central in San Jose

San Jose ist die groesste Stadt, die ich auf meiner Reise besuche, sie ist auch die Lauteste. Und wahrscheinlich auch die Haesslichste. Am wichtigsten ist aber: Die Stadt ist voller Gringos. Nicht im klassischen Sinne. Es sind weniger Amerikaner in der Stadt, als ich erwartet haette. Die Ticos hier gehen bei McDonald's und Taco Bell essen, bei Levi's und American Eagle Klamotten kaufen und selbst der Supermarkt, Mas-x-Meno, ist nur ein Ableger von Walmart. San Jose ist so amerikanisiert, dass man kaum einen Unterschied zu den aermeren US-Staedten, wie Florida City erkennt.

Schaufenster in der Fussgaengerzone

'Watch your camera! Seriously, watch! Your camera!', ruft mir ein Amerikaner aus einem riesigen Pick-Up im Barrio Mexico zu. Ich bin etwas von der geschaeftigen Hauptstrasse weg gewandert und ein bisschen aus Versehen in das Viertel gekommen, dass Lonely Planet als 'dodgy' bezeichnet. Hier gibt es ein paar Hostels und kleine Tiedas, die in Costa Rica aber als Mini Super bezeichnet werden.

Eine etwas andere Mall

Eigentlich ist in San Jose nur der Park La Sabana sehenswert, aber selbst der ist nur ein Park in einer Grossstadt und koennte sich, wie alles hier, ueberall auf der Welt befinden.

Trotzdem bin ich etwas traurig, als ich die Rampe des Flughafens hoch laufe, es gaebe noch so viel zu sehen in Costa Rica. Und Panama soll auch schoen sein...

Landeanflug auf Miami

Iguanas, Affen und ein letztes Bad

Oct 5, 2011 • fly.floh • central america 2011

Als ich auf dem Zeltplatz ankomme bin ich bereits voellig durchnaesst. In der Regenzeit wandern zu gehen war nur eine bedingt gute Idee. Ich fuehle mich ein wenig an Vietnam vor einem Jahr erinnert, mit dem Unterschied, dass ich diesmal im Zelt schlafen werde. Immerhin habe ich unterwegs schonmal zwei Rehe gesehen und wegen der Tiere bin ich schliesslich hier.

Helen und Paul bieten mir auf dem Zeltplatz erstmal einen Tee an. Die beiden sind aus England und seit 18 Monaten mit ihrem Land Rover unterwegs. Neben dem Tee baue ich, da es gerade mal nicht regnet, mein Zelt auf. Den Rest des Abends unterhalten wir uns ueber ihre Abenteuer, meine Erlebnisse und den Rest der Welt.

Mein Zelt, an der einzigen Stelle, die nicht ueberflutet war

Nach dem Fruehstueck verabschiede ich mich von den Beiden und mache mich auf den Weg zum 12km entfernten Strand. Als der Weg noch eine Strasse ist treffe ich den ersten Iguana. Ein wenig scheu rennt er zuerst vor mir weg, laesst sich dann aber doch fotografieren. Stolz reckt er dabei den kleinen Kopf in die Hoehe.

Iguana

Die Strasse wird immer schlechter und schlammiger. Ein Zeichen der Regenzeit. Diverse Fluesse ziehen sich ueber die Strasse, einer ist fast Knietief. Im Schlamm finden sich immer wieder Spuren diverser Tiere und ueber mir heulen die Howler-Monkeys. Ein paar Spider Mokeys begleiten mich eine Weile.

Grosse Katze? Oder doch nur Coyote?

Nach fast zweieinhalb Stunden lichtet sich der Wald und die ersten Krabben bevoelkern die Strasse. In der Ferne ist das Meer zu hoeren, und nur 10 Minuten spaeter stehe ich an einem einsamen Traumstrand. Playa Naranjo. Es ist warm und ich habe meine Badesachen nicht eingepackt. Als ob mich das je vom Baden abgehalten haette... Im heissen Sand verbrenne ich mir noch eine Runde die Fuesse und schon erreiche ich - zum letzten Mal fuer diesen Urlab - den Pazifik.

Playa Naranjo bei Ebbe

Auf dem Rueckweg mache ich an der Nahe gelegenen Ranger Station eine kurze Pause. Der Ranger sieht mich und wir unterhalten uns fuer ein paar Minuten. Wenn die Leute langsam sprechen ist mein Spanisch gar nicht so schlecht. Zumindest verstehe ich, dass er mir etwas zeigen will. Ich folge ihm in die Kueche und er zeigt auf das Funkgeraet. Okay, mein Spanisch ist doch grottig, ich habe keine Ahnung was er von mir will. Bis ich die Schlange hinter dem Funkgeraet entdecke. Er sagt, sie sei seit zwei Tagen da. Sie verdaut, haette vorher etwas grosses gegessen.

Eine Boa, hinter dem Funkgeraet

Ich mache mich auf den Rueckweg. Etwa bei der Haelfte faengt der Regen wieder an. White-faced Mokeys und Howler Monkeys begleiten mich. Ein Reh und ein paar Voegel lassen sich blicken. Der Zeltplatz ist leer, als ich dort ankomme. Niemand ist so verrueckt, in der Regenzeit hier zu zelten.

Catchin' the Waves

Oct 2, 2011 • fly.floh • central america 2011

San Juan del Sur ist eine Surfstadt. Ueberall gibt es Surfshops, Surfschulen und Surfer. Wer nicht zum surfen hier ist, ist zum Baden hier. Teure Shuttles fahren die Touris an die nahe gelegenen Straende. Eigentlich eine Stadt, die ich meiden wuerde. Einen Strand muss man dann in Nicaragua doch mal mitnehmen und ausserdem will ich doch mal eine Runde surfen.

 

Sonnenuntergang in San Juan del Sur

Gesagt, getan melde ich mich fuer eine Surfing Lesson an, huepfe mit dem Board auf den Pickup und los geht's zum Strand. Das Wetter und die Wellen sind perfekt, nur ein Problem gibt's: Kein Surflehrer am Strand. Der eigentliche Lehrer ist krank, und da ich der Einzige bin, wollen sie keinen Anderen schicken. Sie schicken aber dann doch noch jemanden, es soll auch nur eine Stunde dauern. So ist das eben in Central America.

Raul erklaert mir zuerst am Strand die Basics und wir machen eine Weile Trockenuebungen. Danach geht es ab in's Wasser. Raul gibt mir Zeichen, jetzt das Board drehen und drauf legen. Die Zehen sind im Wasser. Jetzt schwimmen, die Arme immer abwechselnd durch's Wasser ziehen. Die Welle kommt; 3-4 Sekunden warten, dann aufstehen. Zuerst den linken Fuss anwinkeln, dann darauf aufstehen und den rechten Fuss in die Mitte des Boards setzen. Leicht in der Hocke stehen und das Gewicht leicht nach vorne gelagert. Klingt nicht so schwer.

Die erste Welle kommt, ich paddle, die Welle traegt mich, das Board ist schnell. Ich warte zu lange mit dem Aufstehen. 3-4 Sekunden, nicht 10. Bei der zweiten Welle stehe ich zu frueh auf. 3-4 Sekunden nicht eine. Und das Gewicht mehr nach vorne. Die dritte Welle kommt. Ich paddle, das Board wird schnell, ich zaehle bis 3. Jetzt aufstehen, wacklige Angelegenheit. Ich stehe, yeah, ist das cool.

Concepcion

Oct 1, 2011 • fly.floh • central america 2011

Es ist 4 Uhr morgens und mein Wecker klingelt. Wer hatte die bloede Idee, diesen Vulkan zu besteigen? Ich quaele mich aus dem Bett und zur Bar des Hostels. Es gibt Sandwiches zum Fruehstueck. Um 5 steigen wir in den Bus zum Trailhead. Der Bus hat Verspaetung und bis wir los laufen ist es halb 6. Sandfliegen fressen uns quasi auf, die Howler Monkeys sind auch schon auf den Beinen.

Ein verschuetteter Seiba-Tree

Wir stoppen immer wieder um Pflanzen und Tiere anzuschauen und so dauert der Aufstieg durch den Urwald etwa 5 Stunden. Dann lichtet sich der Wald und wir kommen in etwa 1000m Hoehe am Lookout an - endlich. Von hier sind es nur noch 600 Hoehenmeter ueber Vulkangestein und Geroell bis zum Gipfel.

Pause am Lookout

Der Wanderweg wird zunehmend steiler, aus den Loechern im Boden steigen Schwefeldaempfe, die alle moeglichen Insekten anziehen und hin und wieder verdecken Wolken die Aussicht. Schritt fuer Schritt kaempfen wir uns nach oben, ausser unseren Schuhen auf dem Stein und dem eigenem Atem gibt es kein Geraeusch. Der Wind bringt mehr Schwefelgeruch. Concepcion ist zwar ewig nicht ausgebrochen, trotzdem gilt er als aktiv.

Steine, Wolken und Schwefel

Als wir den Gipfel endlich erreichen ist es halb 12. Die Aussicht ist genial, man sieht bis zum Mombacho der bei Granada steht. Leider sind am Gipfel so viele Insekten, dass wir nur schnell ein paar Fotos machen und dann schon den Abstieg antreten.

Ueber den Wolken

Wir gehen den gleichen Weg zurueck. Der Abstieg ist zwar weniger anstrengend, aber es dauert trotzdem fast genauso lang. Vorsicht ist auf den steilen Steinen geboten. Kurz oberhalb des Lookouts kommen uns ein paar Amis entgegen. Wir unterhalten uns eine Weile. Sie wollen noch zum Gipfel.

Geschafft!

Wieder am Lookout machen wir eine weitere Pause. Ein Bier waere jetzt toll, dummerweise habe ich keins mit. Naja, ich freue mich einfach auf Moyogalpa und einen grossen Bananen-Milk-Shake. Und danach Bier. Genauso kommt es dann auch. Mit Matthieu mache ich mich zum Ausklang des Tages auch ueber die Nica Libre fuer 15 Cordoba her. Viva la revolucion!

Ein letzter Blick zuueck

Isla de Ometepe

Sep 30, 2011 • fly.floh • central america 2011

Die Nachbarschaft ist etwas komisch, aber das Hostel auf der Isla de Ometepe ist die Art Hostel, in der man es eine Weile aushaelt. Eine bunte, luftige Bar mit bezahlbarem Bier, freundliche Leute und Haengematten im Hinterhof. Ein paar Tiere, die aussehen als waeren sie zu klein geratene Rehe laufen im Hinterhof, zwischen vier Affen, auch rum. Die Umweltbehoerde hat sie her gebracht, das Hostel hat ein kleines Sanctuary.

Ein white-faced monkey im Hostel

Einer der Volunteers, der Herr Professor, erzaehlt mir von seiner Zeit in Deutschland. Er hat in den 80ern ein paar Jahre gegen die Mauer protestiert, er sagt er stand jedes Jahr am selben Fleck und wurde jedes Jahr vom selben Polizisten verhaftet. Als die Mauer dann fiel, war er zufaellig gerade in Berlin und trifft den Polizisten, der ihn spontan zu sich einlaedt. Waldrettungsprojekte im Schwarzwald sind die naechsten Geschichten, ich merke nicht, dass es draussen dunkel wird.

Sonnenuntergang in Moyogalpa

In einem kurzen Gespraech mit dem Koch / Guide des Hostels wird mir klar, dass es keine gute Idee ist den Vulkan allein zu besteigen. Die Wege sind schlecht markiert und in schlechtem Zustand. Leider gibt es derzeit auch keine Gruppen, es ist low season und es ist keine Sau hier.

Volcan Concepcion

Ich entscheide mich also fuer den naechsten Tag ein Fahrrad auszuleihen und fahre um den Vulkan herum, statt auf ihn drauf zu gehen. Anfangs ist die Strasse gerade mal ein besserer Feldweg, ich ueberhole einheimische Radfahrer und diverse Bauern die Rinder durch die Gegend treiben. Grimmige Maenner, allesamt mit Macheten, kommen mir entgegen und gruessen freundlich, waehrend ich mich den Anstieg hoch kaempfe. Mit zwei Ochsen pfluegt ein Bauer die Strasse. Ein Nica kommt mir entgegen, auch er treibt zwei Rinder ueber die Strasse. Die Zuegel seines Pferdes in der einen Hand, seinen MP3-Player haelt er in der Anderen. Laessig baumelt seine Machete von seiner Huefte. 'Hola!', begruessen wir uns grinsend.

Auf der Strasse um die Insel

Gegen Ende der etwa 30km langen Runde um die Insel mache ich eine Pause am Strand. Drei Bananen zum Mittag und eine Runde im Lago de Nicaragua schwimmen. Die Pause ist kuerzer als geplant, der Strand zieht Unmengen von Muecken an. So fluechte ich am fruehen Nachmittag zurueck in das Hostel mit den bunten Tischen und den bequemen Haengematten.

Als ich zurueck komme sitzen Matthieu und Djiro bei einem Bier im Garten.  Djiro hatte ich bereits in Leon kennen gelernt. Die beiden sagen, sie wollen am naechsten Tag auf den Concepcion, den 1600m hohen Vulkan der Insel. Meine Zeit auf der Insel wurde gerade um einen Tag velaengert.

Masaya und die Laguna de Apoyo

Sep 27, 2011 • fly.floh • central america 2011

Der Traveller Alltag kehrt langsam ein. Heute gab es keine Abenteuer, nur ein Besuch in Masaya auf dem Mercado de Artisans und ein Hitch-hike zur Laguna de Apoyo. Per Anhalter durch ein Land zu fahren gehoert schliesslich zu jedem guten Backpacker Urlaub dazu. Auch wenn's nur eine kurze Strecke ist.

Mercado Municipal de Masaya

Masaya ist keine schoene Stadt. Der Markt der Kuenstler ist aber recht nett. Hier gibt es neben Holzfiguren und Masken eine ganze Menge Haengematten zu kaufen. Fuer den Raucher mit komischem Geschmack gibt es ausgestopfte Krokodile die einen Aschenbecher in der Hand halten.

Der Bus nach La Laguna

Vom matschigen Busbahnhof aus starten wir, eine Shopping-Tour spaeter, in Richtung der Laguana de Apoyo. Der Bus faehrt allerdings nur bis zum Eingang des Parks. Die Strasse zur Laguna ist sehr unsicher, angeblich werden hier regelmaessig Leute ausgeraubt. Laufen faellt daher aus und wir versuchen ein paar Autos anzuhalten. Es dauert aber nur fuenf Minuten bis uns jemand mit nach unten nimmt.

La Laguna de Apoyo

Trotz des leichten Regens ist die Lagune super. Das Wasser ist angenehm warm und klar. Es ist zwar nicht so strahlend blau, wie bei Sonnenschein, aber mit ein wenig Phantasie kann man sich das auch in der Regenzeit ausmalen.

La Laguna de Apoyo

Auf dem Pfad des Puma

Sep 26, 2011 • fly.floh • central america 2011

Am Rande des Lago de Nicaragua, etwa 1300m hoch, wacht der Vulkan Mombacho ueber die Stadt Granada. Granada ist mit seinen etwa 100.000 Einwohnern eine der groesseren Staedte Nicaraguas. Wegen der Lage direkt am See und des guten Klimas ist Granada auch unter Touristen beliebt.

Mit dem Chicken Bus fahre ich etwa eine halbe Stunde aus der Stadt zum Fusse des Mombacho. Dort erwartet mich eine grosse Menschenmenge, die Meisten tragen die weissen T-Shirts der FSLN. Es ist eine Wahlkampfveranstaltung, el Presidente, Daniel Ortega, persoenlich wird sprechen. Ich denke mir nichts weiter und mache mich auf die 6,5km zur Forschungsstation zu erklimmen.

Die Strasse zur Forschungsstation auf dem Mombacho

Die Strasse ist steil und ich brauche fast 2 Stunden und viele Pausen bis ich endlich oben bin. Oben habe ich die Wahl zwischen dem Krater Pfad und dem Pfad des Pumas. 'Do not enter Puma trail without a guide.' Steht in grossen, gelben Lettern am Eingang des Puma Trail.

Der Eingang zum Pfad des Puma

Ich mache eine Pause, geniesse die Aussicht und esse eine Banane. Es ist erst um 12 und ich habe nicht viel zu tun. Den Spaziergang um den Krater habe ich schon gemacht, aber es gibt noch einen zweiten Krater, mit Kratersee. Den wollte ich eigentlich schon sehen, aber das ist nur vom Puma Trail aus moeglich. Der Guide soll 10$ kosten.

Ich binde mir also die Schuhe zu. Nur damit ihr das Ausmass versteht nochmal: Ich habe meine Schuhe ordentlich zu gemacht.. ;) Dann laufe ich los. Der Puma Trail soll 4km lang sein, und 4 Stunden dauern. Der Weg ist gut markiert und manchmal etwas glitschig. Alles in allem kein Problem, wofuer man da einen Guide brauchen soll, weiss ich bis heute nicht. Immerhin war die Aussicht ziemlich gut.

Aussicht vom Puma Trail

Nachdem ich den Puma Trail ueberlebt habe mache ich mich zwei Stunden spaeter auf den Rueckweg. Die steile Strasse abzusteigen ist anstrengender als der gefaehrliche Puma Trail. Unten angekommen ist die Rede des Praesidenten gerade vorbei und ich finde mich mitten in einer Menge begeisterter Nicaraguaner wieder. Die komplette Strasse ist voller Menschen, ein Bus wird hier wohl eher nicht fahren. Ich kaufe also an einem der zahlreichen Staende ein Toña und laufe in Richtung Granada, weiter als 10 Kilometer kann es unmoeglich sein.

Stau Richtung Granada

'Hey, my friend.' Jemand gibt mir die Hand. Der eine oder andere Einheimische hat sich offensichtlich gut vom Rum ernaehrt, waehrend der Presidente gesprochen hat. Mit Andy unterhalte ich mich eine Weile und irgendwann faehrt vor uns sogar ein Bus ab. Wir rennen los und huepfen durch den Notausgang hinten rein. Der Bus nimmt uns bis Granada mit. In Granada ist es ruhig und ich goenne meinen Beinen ein wenig Pause bevor ich mich Abends mit Charlotte, Anne und Mady bei Toña Literflaschen und Tostadas staerke.

Spaeter besuchen wir eine Kunstaustellung eines lokalen Kuenstlers und danach eine Bar. Bei Nica Libre und Flor de Caña auf Eis wurde der Abend dann etwas laenger als geplant.

Nica Libre

Sep 24, 2011 • fly.floh • central america 2011

Es braucht nur ein Stichwort um uns die Sicherheit und den Komfort des internationalen Busses verlassen zu lassen: Leon. Der Bus haelt, wir verlassen die spanische Version von Indiana Jones auf dem Fernseher und die komfortablen Sessel und vorallem: Das Dach ueber unseren Koepfen und springen hinaus in den stroemenden Regen.

Der Express-Bus von San Pedro Sula braucht 14 Stunden bis er in Leon ankommt. Uns trennen nun 600km und die Grenze zwischen Honduras und Nicaragua von unserem Abfahrtsort.

Ich schnappe meinen Rucksack und betrete die Tankstelle. Suchend blicke ich mich um, bis ich versteckt in der Ecke einen Geldautomaten finde. Endlich wieder ein paar Scheine im Portemonaie. Ich hatte an der Grenze schon 4 Lempiras zu wenig um die Departure Tax fuer Honduras zu bezahlen.

Geld holen und wieder raus, bloss nicht in Versuchung geraten etwas zu kaufen. Ich muss ein bisschen auf mein Budget achten. Das schnelle Reisen in Gutatemala und Honduras macht sich auf meinem Konto sehr deutlich bemerkbar. Trotzdem teile ich mir mit den anderen ein Taxi zum Hostel. Der erste Taxifahrer will 40 Cordobas, das Doppelte des normalen Preises. Wir fragen einen Anderen. 20 Cordobas. In Ordnung. Sein Taxi ist ein klappriges, altes, amerikanisches Auto.  Hin und wieder brausen wir durch Pfuetzen so tief, dass man Angst hat, dass das Auto sich mit Wasser fuellt.

Im Hostel begruesst mich Raul, er stammt aus Nicaragua, traegt Rastas und ein spanisches Fussball-Trikot. Dreimal duerft ihr raten von welchem Spieler. Raul ist ein freundlicher, lockerer Typ. Er erzaehlt, dass gerade der Blitz in's Hostel eingeschlagen hat, der Fernseher und der Router seien dabei drauf gegangen.

Strassenbild in Leon

Am naechsten Tag erkunde ich Leon, die alte Hauptstadt Nicaraguas. Der Markt steht als erstes auf dem Plan. Ueberall gibt es Bananen. Willkommenes Fruehstueck. Fuer das Abendessen kaufe ich Avocados, Tomaten, eine Zwiebel, eine Limette und etwas Chilli. Dazu Tortillas. Vom Markt geht es zum Platz vor der Kathedrale und dann ziellos durch die Seitenstrassen. Ueberall stehen Kirchen, teils prachtvoll, teils verfallen.

Chicken Busses am Markt von Leon

Des herumlaufens muede besuche ich das Museum der Mythen und Legenden. Hier werden einige Figuren traditioneller Mythen und Legenden ausgestellt, viel interessanter ist aber die Geschichte des Hauses indem sich das Museum befindet. Es heisst "El 21". Bennant nach dem Baujahr, 1921. Das Gebaeude war ein Gefaengniss, zunaechst fuer schwere Straftaeter und psychisch Kranke, spaeter vorallem fuer politische Gefangene. Hier wurde viel und grauenvoll gefoltert, bis das Gefaengniss 1979 von den Sandistas befreit wurde.

Wandmalereien beschreiben heute Greueltaten und Leben im 21

Am Nachmittag statte ich der Kathedrale einen weiteren Besuch ab. Bei meinem ersten Besuch am Morgen war sie geschlossen und ein ganzer Haufen wichtiger Leute stand davor. Es sah ein bisschen aus, wie Wahlkampfauftakt, denn danach wurden ueberall in der Stadt Plakate verschiedener Politiker angekleistert und Laternenmasten wurden in der Farben der Sandistas, schwarz und rot, gestrichen.

Leons Kathedrale

Die Kathedrale ist einfach gehalten. Als sie im 16. Jahrhundert erbaut wurde, hatten die einheimischen Bauherren Angst, die Spanier wuerden einen Bau untersagen, sollte die Kathedrale zu prachtvoll sein.

Another Day in Paradise

Sep 21, 2011 • fly.floh • central america 2011

Aus den Lautsprechern im Bus plaerrt Phil Collins. Another Day in Paradise. In der Reihe neben mir hat gerade ein kleines Maedchen, von vielleicht 5 Jahren, den Sitz davor angekotzt. Meine Sachen - auf dem Dach des Busses - werden nass, vom stroemenden Regen. Der Bus ist knallgelb, ein alter, ausgemusterter, amerikanischer Schulbus. Die Sitze sind unbequem und ich befinde mich auf dem Vorderrad. Alles ist klapprig und alt, aber vorne im Bus befindet sich ein 22" Fernseher, brandneu, dazu ein DVD-Player mit Touch-Screen fuer den Fahrer. Der Ticketverkaeufer, ein Teenager, vielleicht 15, bruellt in jedem Dorf: 'Sula, Sula, Sula!' Auf dem Weg von Copan Ruinas nach San Pedro Sula verliebe mich gerade ein wenig in diese Laender, diese Kultur, die Leute hier.

Das Oertchen Copan Ruinas

Heute morgen habe ich mir noch Copan Ruinas angeschaut. Maya Ruinen in der gleichnamigen Stadt, nur 10km von der Grenze zwischen Guatemala und Honduras entfernt. Sie sind etwas kleiner, als die in Tikal; aber aelter und trotzdem interessant. Etwa 400 nach Christus haben sich die ersten Maya in Copan nieder gelassen. Im Lauf der Zeit wurde es der Sitz einer ganzen Dynastie, bis Copan etwa 400 Jahre spaeter, aus bisher unerklaerlichen Ursachen verlassen wurde.

Las Ruinas - die Maya Tempel in Copan

Heute liegt Copan, wie die meisten Tempel der Maya, mitten im Jungel. Die Regierung versucht gerade Aras anzusiedeln und ein paar der bunten Voegel fliegen in Copan auch rum. Ansonsten gibt es massig Spinnen und viele Baeume.

Nach mehr als 1000 Jahren fordert der Jungel seinen Tribut

Die Fahrt von Copan Ruinas nach San Pedro Sula dauert etwa 4, eher 5 Stunden. San Pedro Sula ist keine schoene Stadt. Es ist gross, laut und voller amerikanischer Fast Food Ketten. Das einzige Hostel hier ist wahrscheinlich das Teuerste in ganz Lateinamerika; immerhin ist es freundlich, hat eine Kueche, Wi-Fi und kuehles Bier. Kaum jemand bleibt hier laenger als eine Nacht. Sula hat eine gewisse Aehnlichkeit mit den alten Posthoefen in Europa, man uebernachtet hier nur, weil man es nicht innerhalb von einem Tag an sein Ziel schafft. Fuer mich heisst das Ziel Managua, die Hauptstadt von Nicaragua, fuer den Belgier in Bett 8 geht es nach Hause und der Amerikaner in Bett 4 starrt manisch abwechselnd auf den Fernseher und sein iPhone. Hin und wieder kichert er. Ich breite meine Sachen zum trocknen aus und kaufe ein Bier, das Taxi zum Busbahnhof kommt morgen frueh um 4 Uhr.

Ein Ara Macao im Jungel von Copan

Caribbean Vibes

Sep 20, 2011 • fly.floh • central america 2011

Ein Boot bringt mich von Rio Dulce nach Livingston. Die Fahrt dauert etwa 1,5 Stunden und Boote sind der einzige Weg nach Livingston zu kommen. Wegen der Naehe zur Karibik und der fehlenden Strassenverbindung in den Ort, ist Livingston karibisch gepraegt und nicht wirklich lateinamerikanisch. Viele der Einwohner sind Garifuna, Nachfahren schiffbruechiger Sklaven aus Westafrika.

Mit dem Boot nach Livingston

In Livingston angekommen werden Anne, Katrin und ich erstmal von Touts ueberrannt, etwa 10 Leute gleichzeitig wollen uns zu einem Hostel fuehren. Wir wissen zwar schon wo wir hin wollen, werden Einen aber nicht wirklich los. So fuehrt er uns zum Hostel und bietet mir auf dem Weg jede Menge Drogen an; guenstig und gute Qualitaet sagt er. Ich lehne ab und philosophiere eine Weile mit Katrin darueber, warum eigentlich immer nur Maenner in fremden Laendern Drogen angeboten bekommen.

Es ist heiss in Livingston. Zur Abkuehlung beschliessen wir bei den Sietes Altares baden zu gehen. Die Sietes Altares sind ein System aus Wasserfaellen und Pools. Der Fluss ist deutlich kuehler als das Meer und der Weg dorthin geht am Strand entlang.

Diese Vertrauen erweckende Bruecke ist der Start des Weges zu den Sietes Altares

Wir fahren also mit einem alten, kaputten Taxi, zur Bruecke ueber den Fluss und laufen los. Immer am Strand entlang, an Hotels vorbei, ueber Sand und durch das Wasser und ganz oft auch durch angespuelten Muell. Sandalen, Flaschen und Unmengen an Styropor werden hier angeschwemmt. Da niemand den Muell wegraeumt sieht es in Livingston am Strand nicht sehr einladend aus.

Karibischer Palmenstrand

Palmen saeumen den Strand und nach einer halben Stunde kommen wir an unserem Ziel an. Das Wasser ist kuehl und erfrischend, genau das Richtige in dieser Hitze.

Las Sietes Altares

Wir geniessen das Wasser fuer eine Weile, bevor wir uns auf den Rueckweg nach Livingston machen. Anne und Katrin wollen am naechsten Tag weiter nach Belize und die Faehre faehrt, bevor die Grenzstation in Livingston aufmacht. Sie muessen sich also vorher den Stempel holen, der 80 Quetzales kostet und einen Tag vor datiert ist.  Ausserdem hatte Livingston einen ganzen Tag keinen Strom und der Geldautomat ging nicht. Ich brauche aber dringend noch ein paar Quetzales, damit ich am naechsten Tag nach El Florido fahren kann. Der Grenzstation nach Honduras. Mein Ziel sind die Copan Ruinas.

Extra fuer Markus gibt's jetzt noch ein Bild. Stell dir einfach vor ich waer nackt... :-P

Das Zugabebild fuer Markus

Tikal

Sep 19, 2011 • fly.floh • central america 2011

Nach einer kurzen Nacht steige ich um 6 Uhr morgens in das Shuttle von Lanquin nach Flores. Die Aussicht auf der Strasse nach oben ist atemberaubend, doch durch die dreckigen Scheiben des Shuttles laesst es sich nicht wirklich gut fotografieren. Ein paar Stunden Schlaf und ueberraschend gute Strassen spaeter kommen wir in Flores an, wo ich den Benzintank der Kochers fuelle, etwas Geld hole und in das Shuttle nach Tikal springe.

Die Strasse von Lanquin nach Flores

Abends finde ich einen Zeltplatz direkt neben den Eingang zu den Ruinen der Maya. Das mit dem Essen muss allerdings noch eine Weile warten. Der Kocher ist verstopft. Ich versuche ihn zu putzen, was fuer etwa eine halbe Minute funktioniert, danach ist der Kocher wieder verstopft. Nach etwa einer halben Stunde gebe ich auf und ueberlege, was nun.

Auf dem Zeltplatz sind ausser mir noch zwei Deutsche, die mir ein paar Tortillas und etwas Guacamole abgeben. Danach gehen wir alle gegen um 8 in's Bett. Am naechsten Tag soll es um 4 Uhr los gehen. Damit sind wir die Ersten in den Ruinen und haben die Chance den Sonnenaufgang von Temple IV aus zu beobachten.

Das Aufstehen zu einer Zeit zu der ich sonst manchmal in's Bett gehe faellt mir erstaunlich leicht. Bei klarem Sternenhimmel laufen wir unter dem Licht des Halbmondes los. Das Wetter haelt nicht lange, und schon bald fuehlt sich der Regen an, wie der Wasserfall in den Can Ba Hoehlen. Doch gegen halb 6 ist klar: Die Strapatzen haben sich gelohnt.

Sonnenaufgang auf Temple IV

Nach dem Sonnenaufgang gibt es erstmal ein wenig Fruehstueck. Bananen, irgendwo in Peten geerntet und mit dem Geschmack einer Banane. Nicht so wie in Deutschland, wo Bananen meist eher nach Pappe schmecken, als nach Banane.

Nach dem Fruehstueck besichtigen wir noch ein paar Tempel im Jungel von Tikal. Tikal ist die erste Staette, die sowohl Weltkulturerbe, als auch Weltnaturerbe ist. Etwa 100000 Menschen haben hier zwischen 350 und 700 n.Chr. gelebt. Danach hat sich das Klima veraendert, die Menschen gingen und der Jungel kam. Viele der Ruinen sind unter Erde und Baeumen begraben.

Jaguar Temple Tikal

Gegen Mittag fahre ich dann zurueck nach Flores, wo ich mit etwas Stress noch einen Bus nach Rio Dulce erwische. Von Rio Dulce gibt es dann Boote, in den abgelegenen Ort Livingston.

Ein halb zugewachsener Tempel

Independence Day

Sep 18, 2011 • fly.floh • central america 2011

Es sind nur 250km von Antigua bis Lanquin. Die Fahrt dauert trotzdem 9 Stunden. Das Touristen Shuttle holt mich 8 Uhr ab. Guatemalan Time. Das heisst bis das Shuttle da ist, ist es etwa 10 vor 9.
Am naechsten Tag mache ich mit Chloe, Matt und Sarah eine Tour in Selmuc Champey. Es ist Independence Day, der 15. September, Nationalfeiertag in Guatemala. Unser Pickup ist zu spaet, weil er von der Parade aufgehalten wird. Wir huepfen auf die Ladeflaeche und fahren los. Allerdings kommen wir nicht besonders weit. Die Fahrt vom Hostel zum Nationalpark wird fuer etwa eine Stunde von der grossen Parade im Dorf unterbrochen. Und fuer die Groesse des Dorfes ist die Parade wirklich gross.

Independence Day in Lanquin

In Selmuc Champey angekommen schwimmen wir zuerst etwa 500m in die Kan Ba Caves. Sarah und ich haben Stirnlampen, fuer Chloe und Matt gibt es Kerzen. Die aber spaetestens bei dem Wasserfall in der Hoehle den Geist aufgeben. Auch wenn es irgendwan kalt wird, weil wir staendig auf eine Gruppe Israelis warten muessen, macht es eine Menge Spass durch die dunkle Hoehle zu schwimmen und zu kraxeln.

Selmuc Chempey von oben

In Autoreifen geht es dann ein Stueck Flussabwaerts, bevor wir zum Aussichtspunkt hoch laufen. Chloe und ich trinken ein Brahva, brasilianisches Bier, gebraut in Guatemala, und sind prompt als Erste oben. Und auch wieder unten. Es wird Zeit fuer eine Runde Erfrischung und so springen wir in die angenehm kuehlen Pools von Selmuc Champey, bevor es am spaeten Nachmittag zurueck in's Hostel geht. Weil es nun zu regnen beginnt fahre ich nicht auf der Ladeflaeche sondern auf der Rueckbank des Pickups, sehr viel bequemer als die Hinfahrt. :-D

Die gemuetlichen und erfrischenden Pools von Selmuc Champey

Matt und ich machen abends noch ausgiebig von der Happy Hour an der Bar gebrauch, bevor es am naechsten Morgen um 6 weiter nach Tikal geht.

Der Wasserfall unterhalb der Pools